ENDURO LODGE PORTUGAL - ADVENTURE STORY

Als in Deutschland der Frühling noch auf sich warten ließ, zog es uns nach Portugal in die Living Lodge von Colin Schneider, einem Deutschen aus Ennepetal, der sich an der Küste der Algarve seinen Traum verwirklicht hat. Und dieser Traum besteht aus Endurofahren und allem, was sonst noch so Spaß macht und den Adrenalinspiegel nach oben bringt, genau das richtige für unsere Adventure-Story also.

Story aus dem Dirtbiker Magazin / Text & Fotos: Stephan Peters

 

 Uns Redakteuren wird ja gelegentlich nachgesagt, dass wir dauerhaft bezahlten Urlaub in Anspruch nähmen.Trotzdem gönnen auch wir uns ab und an mal eine wirkliche kleine Auszeit. So kam es, dass es uns im letzten Dezember an die portugiesische Algarve verschlagen hat. Auf dem Plan stand in erster Linie Surfen, aber schon auf dem Hinweg zu unserem ausgesuchten Zielort Arrifana beeindruckte uns das bergische Inland und weckte den Gedanken, dass hier sicherlich geile Trails vorhanden sein würden. Eher per Zufall verschlug es uns letztendlich in die Living Lodge von Colin Schneider, einem deutschen Auswanderer aus Ennepetal, der selbst Actionsportler durch und durch ist und sich mit seinem Guesthouse einen Traum erfüllt hat. Zwar ist Arrifana vor allem als absoluter Surf-Hotspot bekannt, Colin hat hier aber weitaus mehr zu bieten, weswegen auch wir im April noch einen zweiten Besuch in Angriff genommen haben. Kommt mit auf eine Abenteuerreise mit Enduro-, Mountainbike-, Surfaction und vielem mehr. Nachmachen mehr als empfohlen!

 

 

Auch wenn wir mehr als motiviert sind, war die Anreise doch irgendwie anstrengend und der erste Tag in der Living Lodge wird erst einmal entspannt angegangen. Ankommen, auspacken, die anderen Gäste begrüßen und dann zum Strand – Surfen geht doch immer. Das Beste daran ist nicht nur, dass man den Strand fußläufig erreicht, sondern auch, dass in der Bucht von Arrifana fast immer konstant gute Atlantikwellen anrollen. Wenn man noch nie surfen war, wird man spätestens hier vom Virus infiziert. Am Abend wird dann gemeinsam in der großen Außenküche – direkt neben Pool und Hängematte – gekocht. Es ist ein komisches, aber sehr geiles Gefühl, denn alle Gäste formen sich schnell zu einer einzigartigen Familie. Es kommt uns vor, als wären wir schon seit Wochen hier, dabei sind wir doch eben erst angekommen. Und auch Colin und sein Housekeeper Alex sind eigentlich immer vor Ort. Wer was braucht, dem wird hier schnell geholfen. Später am Abend haben wir uns noch mit Colin zusammengesetzt. Uns brannten einfach ein paar Fragen auf den Lippen, die wir loswerden mussten, denn das Ganze hier ist eigentlich fast zu cool, um wahr zu sein!

 

Colin, wer bist du und wie bist du hier in Arrifana gestrandet?

Gestrandet ist im Prinzip das richtige Wort. Ich komme aus Ennepetal im Ruhrgebiet, war dort aber nie so richtig zu Hause. Irgendwann habe ich alles verkauft, das Geld in einen Wohnwagen investiert und bin hier runter gefahren. Eines morgens bin ich dann mit Blick auf die Bucht wach geworden und habe mir gedacht, dass ich gerne hier bleiben möchte. Na ja, das Resultat von diesem Gedanken seht ihr hier. [lacht]

 

Also war der Kauf der Living Lodge dann auch mehr oder weniger spontan?

Mehr als das! Ein Kumpel hatte gesehen, dass das Haus hier zu verkaufen ist. Kurzerhand trafen wir uns mit dem Besitzer und irgendwann nachts, nach etlichen Bieren, gab es einen Handschlag. In diesem Moment hatte ich ein Haus gekauft. Was danach kam und wie es ist, als Deutscher hier ein Haus zu kaufen, kann man sich kaum vorstellen. Fakt ist jedoch, dass alles in allem es ca. neun Monate gedauert hat und verdammt anstrengend war!

 

Jetzt hattest du also die Lodge. Gab es zu dem Zeitpunkt schon konkrete Pläne, was du damit vor hast?

Nun ja, um einfach nur darin zu leben, war das Haus ja viel zu groß und zudem musste ja auch irgendwo Geld herbekommen. Die Idee, ein Guesthouse zu machen, stand also schon. Da ich selbst Actionsport-verrückt bin, musste das auch kombiniert werden und kurzerhand schloss ich eine Kooperation mit einem Anbieter, der Endurotouren an der Algarve organisierte. Dass dieser nach einem Jahr dann alles an mich verkaufen wollte, war natürlich ein wenig Glück. Seither habe ich eben die Maschinen und das ganze Equipement direkt bei mir im Haus!

 

Jetzt geht’s zur Sache. Wie sieht ein bei dir gebuchter Enduro-Trip mit dem Motorrad aus?

Mir ist wichtig, dass meine Gäste sich um nichts kümmern müssen. Das fängt beim Abholen am Flughafen an und geht übers Früstück, Kaffepausen bis hin zum Mittagessen während der Tour.  In der Regel starten wir hier an der Lodge gegen 9.30 Uhr und kommen gegen 16.00 Uhr wieder zurück. Die Gäste können, müssen aber nicht ihr Material mitbringen. Ich habe Klamotten, Stiefel, Protektoren, Helme und natürlich die KTM-Bikes hier vor Ort. Merlin ist als professioneller Guide mit von der Partie und natürlich sind die Bikes randvoll getankt. Ihr seht also, wenn ihr einen Trip bucht, werdet ihr vollständig umsorgt, fast wie bei Mama, nur besser. [lacht] 

 

Nimmst du nur Gruppen auf oder können auch Einzelfahrer anreisen?

Gruppen machen die Planung natürlich einfacher, aber auch Einzelfahrer sind immer willkommen. Wichtig ist in dem Fall, dass wir im Vorfeld gut kommunizieren und schauen, ob zum gewünschten Zeitpunkt noch andere Fahrer mit selbem Level gebucht haben usw. In der Gruppe fahren macht halt einfach mehr Spaß! Generell kann man, wenn was frei ist, aber tatsächlich am Montag anrufen und am Dienstag anreisen. Wir versuchen da, so spontan wie möglich zu sein. In der Regel hat man dann die Möglichkeit, zwischen zwei Buchungen zu wählen: 5 Tage bleiben und 3 Tage fahren, oder 7 Tage bleiben und 5 Tage fahren.

 

Fahrt ihr das ganze Jahr?

Fast. Im Juli und August ist es für Mensch und Maschine einfach zu heiß und somit setzen wir da aus. Generell bieten sich Frühjahr und Herbst an, aber auch im Winter hat man hier oft sehr schöne Tage!

 

Du hast eben die Pakete angesprochen, an denen auch jeweils zwei Ruhetage eingeplant sind. Was können Actionjunkies, wie wir es alle sind, an solchen Tagen in Arrifana anstellen?

Richtig, die Tage sind eigentlich zum Erholen da, aber natürlich können wir da auch Action machen. Das Angebot ist jedenfalls so groß, dass man kaum alles schaffen kann. Im Monchique-Gebirge gibt es vom Shuttle-Anbieter Ride Portugal extrem gute Mountainbike-Downhill-Trails, auf denen im Winter die World-Cup-Fahrer trainieren. Wir selbst bieten Kanutouren, Stand-up-Paddling oder eben Surf-Kurse an. Leihbretter bekommt ihr ebenfalls bei uns. Ein besonderes Erlebnis ist auch unsere Bootstour an der Südküste. Erst ein wenig Sightseeing in den Wassergrotten, danach geht’s mit dem Seil hinters Boot und danach fahren wir an einen einsamen Strand zum BBQ. Na ja und auch sonst geht hier vor allem im Sommer einiges: viele Restaurants und Partys. Natürlich könnt ihr auch eure Familien mitbringen. Die Lodge eignet sich perfekt zum Chillen, der Strand ist nicht weit und auch Angebote wie Ponyreiten gibt es hier in der Umgebung zuhauf. Langweilig wird’s nie, versprochen! 

 

Danke Colin, wir freuen uns auf die Woche und sind gespannt!

 

 

 

Na, wenn das mal nicht Lust auf mehr macht. Nach einem weiteren Bier geht es für uns ins Bett, aber die Aufregung für den morgigen Tag lässt uns spät einschlafen. Am nächsten Morgen steht für nämlich uns die erste Endurotour an. Wir wollen es erst mal langsam angehen lassen und die Gegend erkunden. Colin nennt unsere Route „Sightseeing Tour“. Es geht los über Schotterpisten mit grandioser Aussicht auf das Meer, geht dann über felsiges Geröll hinab bis in ein dicht bewachsenes Tal, worauf im Anschluss ein sandiger Trail auf uns wartet. Zum Abschluss geht es sogar noch richtig in die Dünen. Alles nicht sonderlich schwer zu fahren, aber die Kombination mit der geilen Aussicht lässt einem schnell das Grinsen ins Gesicht huschen – geil! Hier und da halten wir für einen Fotostopp an und nach einer gut zweistündigen Tour gibt es dann auch erst mal ein Kaffeepäuschen. Genau die richtige Mischung aus Adrenalin und Entspannung. So wie es im Urlaub ja auch sein soll! Den restlichen Nachmittag gehen wir ebenfalls entspannt an und lassen den Tag mit einer entspannten Surfsession und anschließendem BBQ an der Lodge ausklingen. Abends geht es schnell ins Bett, denn der nächste Morgen hält das nächste Highlight für uns bereit: Downhill fahren im Monchique-Gebirge.

 

Da wir beide auch gut auf dem Downhiller unterwegs sind, haben wir einen Tag Shuttlen bei den Jungs von Ride Portugal gebucht. Wir werden in einem kleinen verschlafenen Nest, rund 30 Kilometer von der Lodge entfernt, mit einem 4x4-Mitsubishi-Wagen abgeholt, wo hinten dran schon unsere Bikes hängen. Kurz darauf biegen wir in den Wald ab und was uns nun erwartet, hätten wir nie gedacht. Die Wege, die wir mit dem Auto hinauffahren, erinnern eher an ein ausgewaschenes Flussbett. Brian, Chef von Ride Portugal, erklärt uns, dass dies aber dennoch offizielle Straßen sind. Na, herzlich willkommen in Portugal! Nach rund 20-minütigem Durchschütteln sind wir am ersten Trail angekommen und Brian erklärt, dass er an diesem Trail sechs Monate gebaut hat. Wow, da sind wir mal gespannt! Allerdings wird schon nach den ersten Metern klar, warum dies so ist. Hier passt alles: Anlieger, Sprünge, Step-Downs. Besser kann man einen Trail nicht bauen. Dass hier die Profis trainieren, wundert uns auch nicht. Hier kann tatsächlich nur fahren, wer sich seiner Sache verdammt sicher ist! Auch die restlichen der insgesamt zehn Trails haben es in sich, sind aber nicht alle mit so riesigen Sprüngen versehen. Geguidet werden wir vom Deutschen Jan Feyser, der eigentlich nur Urlaub machen wollte und dann doch zum Arbeiten blieb.

Auch hier bekommt man im Übrigen die entspannte Atmosphäre zu spüren. Nach ein paar Runden gibt’s ein kleines Kaffeepäuschen und am Mittag wird in eine Sandwichbude eingekehrt. Schon wieder ein perfekter Tag, der am Abend seinen Höhepunkt finden sollte. Colin meinte, wir müssten unbedingt zur Pizzaparty ins Hippiedorf. Was erst einmal etwas absurd klingt, ist es in Wahrheit auch. Mitten im Gebirge findet man plötzlich ein Dörfchen aus Zelten, Wohnwagen, Planen und allen möglichen Konstruktionen. Man zahlt zehn Euro Eintritt, wofür man vier Getränke und Pizza all you can eat bekommt, und taucht ein in eine unglaubliche Stimmung. Ein DJ legt entspannte Musik auf, das Licht ist gedämmt, im hinteren Bereich ein Dancefloor aus Erde, vorne ein qualmender Pizzaofen, dahinter ein ausgeschlachtetes Wohnmobil als Waffelstand und überall gut gelaunte Menschen aller Altersklassen. Wahnsinn, Colin hat definitiv nicht zuviel versprochen! Wenn ihr mal in der Gegend seid, dürft ihr euch an einem Freitagabend definitiv nichts anderes vornehmen! Da wir aber für den nächsten Tag eine der anspruchsvolleren Endurotouren ins Inland geplant haben, geht es für uns auch nicht allzuspät ins Bett – denn wer fit sein will, muss schlafen!

 

Am nächsten Morgen beginnen wir mit dem obligatorischen Outdoorfrühstück, während Guide Merlin schon die Bikes fertigmacht. Alle Touren starten direkt am Haus, man muss also nicht noch mit dem Transporter durch die Gegend fahren. Währenddessen besprechen wir mit Colin noch eine andere Sache, die bei Familien schon mal zu Konflikten in der Planung führt, wenn es darum geht, sich für eine Reise zu entscheiden: Familienurlaub oder Mopedurlaub? Beides lässt sich hier prima miteinander vereinen, denn während Papa eine Motorradtour fährt, kann Mama mit den Kleinen am Strand sein, wandern, reiten oder auch die regionalen Märkte besuchen. Papa kommt dann nach der Tour dazu und alle sind glücklich. 

 

Ich hingegen gönne mir heute jedoch einen kompletten Familientag ohne Action und schicke Busty mit Merlin los, um das Gelände auf Profitauglichkeit zu prüfen. Als er am späten Nachmittag zurück zur Lodge kommt, berichtet er: „Als erstes muss ich sagen, dass Merlin ganz ordentlich fährt und wir viel Spaß miteinander hatten. Also können sich auch fortgeschrittene Fahrer bedenkenlos in seine Hände begeben. Er findet das passende Gelände für das eigene Fahrniveau, egal, ob entspannt oder technisch anspruchsvoller. Die Bikes sind natürlich nicht die aktuellen Modelle, doch das hat dem Fahrspaß auch keinen wirklichen Abbruch getan, zumal man auch mit seiner eigenen Maschine anreisen kann. Vom Gelände ist alles dabei, von schönen Feldwegen mit herrlicher Aussicht auf das Meer über die vielen Hügelketten und  Auffahrten, wo man auch mal zwei, drei Versuche benötigt, bis man oben ist, bis hin zu steilen Abfahrten. Leider haben wir es heute nicht bis in die Berge geschafft, wo man auch extremes Gelände fahren kann und wo die Trialer trainieren, aber auch das ist laut Merlin möglich. Hier findet jeder seinen Spaß beim Fahren und Merlin kennt die geradezu unendlichen Wege sehr gut.“

 

Am Abend sind wir beide in der Tat ganz schön geschafft, ich vom Spielen mit meinem Sohnemann und Busty von der Tagestour, aber irgendwie treibt es uns trotzdem noch mal ans Wasser für eine Sunset-Surfsession. Man ist hier so voller Adrenalin und Tatendrang, dass man einfach nicht aufhören kann.

 

Auch die nächsten Tage verlaufen im Grunde ähnlich. Neben einer großen Portion Action packen Colin und seine Jungs jede Menge Entspannung und gute Laune in das Paket. Es wird einem definitiv nicht langweilig und die Wohnsituation mit der großen Außenküche für alle macht das Ganze noch charmanter. Es ist immer jemand zum Plaudern da, aber genauso kann man sich auch einfach mal auf die Bay Bench zurückziehen und den Blick auf die Bucht genießen.

 

 

Colin hat sich nicht nur seinen ganz eigenen Traum erfüllt, sondern weiß auch ganz gut anderer Leute Urlaubsträume gerecht zu werden. Wir können den Trip in die Living Lodge ausnahmslos empfehlen und sind uns sicher, dass auch eure Familien hier Spaß haben werden. Warum also nicht mit Kind und Kegel anreisen und eine Kombination aus Action und Strandurlaub machen – Möglichkeiten dafür gibt es jedenfalls genug und auch wir waren sicherlich nicht zum letzten Mal in der Living Lodge zu Gast!

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